Die Berge stehen kopf
Die weitherum sichtbare "Magische Linie" entlang der Felswände um den Piz Sardona markiert die Glarner Hauptüberschiebung - ein Phänomen von Weltformat. Die markante Kerbe trennt das 250 bis 300 Mio. Jahre alte Verrucanogestein vom 35 bis 50 Mio. Jahre alten Flyschgestein. Aussergewöhnlich daran ist, dass hier das junge Material unten liegt - lange Zeit ein Rätsel für die Geologen und so einzigartig, dass es am 7. Juli 2008 in die Liste der UNESCO-Welterben aufgenommen wurde.
An keinem anderen Ort auf der Welt ist die Entstehung der Gebirge besser ersichtlich. Das 300 km2 grosse Gebiet ist ein Zeuge für Gebirgsbildungen und von grosser pädagogischer und wissenschaftlicher Bedeutung.
Nebst der Glarner Hauptüberschiebung bietet das UNESCO-Welterbe-Gebiet viele weitere Besonderheiten: unberührte Landschaften, eine reichhaltige alpine Pflanzen- und Tierwelt, die älteste wiederangesiedelte Steinbockkolonie der Schweiz, Hochmoore und Schwemmebenen von nationaler Bedeutung und eine ungewöhnlich hohe Dichte von Geotopen. Geotope sind schützenswerte Zeugen der Erdgeschichte wie die Lochsite, die Tschingelhoren mit dem Martinsloch, das Kupferbergwerk auf der Mürtschenalp, die von eiszeitlichen Gletschern geprägten Landschaften im hinteren Murgtal oder die Segnesböden.
Harry Keel
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