Johanna Spyri war die Tochter des Arztes Johann Jacob Heusser und der Dichterin Meta Heusser-Schweizer und hatte zwei Brüder und drei Schwestern. 1852 heiratete sie den Juristen und Redakteur Johann Bernhard Spyri, ab 1868 Stadtschreiber von Zürich. Ihr Sohn Bernhard Spyri starb mit 28 Jahren an Tuberkulose. Ein Jahr später verstarb ihr Ehemann.
Ausbildung
• 2-jähriges Studium in Sprachen und Piano in Zürich,
• 2-jähriger Aufenthalt in einem Internat in Yverdon.
• Anschliessend zwischen ihrem 18. und 25. Lebensjahr lebte sie wieder zu Hause, unterrichtete ihre jüngeren Geschwister, half im Haushalt und las.
Werke
• Erste Erzählung «Ein Blatt auf Vronys Grab»
• Insgesamt 48 Werke
• Grösster Erfolg 1880 «Heidis Lehr- und Wanderjahre» und 1881 «Heidi kann brauchen, was es gelernt hat»
Ausführliche Biographie
Johanna Spyri ist unbestritten die bekannteste Schweizer Autorin überhaupt. Aufgewachsen ist sie auf dem Land, gelebt hat sie in der Stadt und geflüchtet ist sie in die Berge. Ihre Lebensgeschichte erinnert manchen an ihre erfolgreichste Romanfigur «Heidi». In diesem Buch stellt sie sich voll auf die Seite der Kinder – für jene Zeit eine Pionierleistung in der Kinderbuchliteratur.
Die weltweit wohl bekannteste Schweizer Schriftstellerin wuchs als Tochter des Arztes Jacob Heusser und der Dichterin Meta Heusser-Schweizer im kleinen Dorf Hirzel auf. 1852 heiratete die damals 25-Jährige den sechs Jahre älteren Juristen und Redakteur Bernhard Spyri, der ab 1868 Stadtschreiber von Zürich war. Johanna hatte ihre ländliche Heimat gegen ein Leben in der Oberschicht der Stadtzürcher Bevölkerung getauscht. Richtig glücklich wurde sie dabei nie. Spyri mochte keine Hausarbeit, sie wollte schreiben. Nach der Geburt ihres einzigen Sohnes Bernhard litt Johanna Spyri an Depressionen. In dieser schweren Zeit fand die Autorin in ihrer Freundschaft zu Betsy Meyer, der Schwester des Schriftstellers Conrad Ferdinand Meyer, Trost und Halt. Spyris Briefe an die Freundin sind sehr leidenschaftlich und lassen erahnen, welche Gefühlsqualen die Schriftstellerin durchlitt. Später zog sich Betsy jedoch immer mehr zurück und die Freundschaft endete. Johanna Spyri galt zeitlebens als verschlossene Person. In ihren Texten jedoch lebte die mutige Frau auf. Mutig deshalb, weil ihre Art, die Dinge zu betrachten, für ihre Zeit sehr modern war. Dass gerade Johanna Spyri, die Frau Stadtschreiber, sich öffentlich und zum Teil auch kritisch äusserte, war in jener Zeit nicht selbstverständlich.
Später Einstieg in die Schreibkunst
Ein mit Johannas Mutter befreundeter Pfarrer ermutigte die unglückliche Frau zum Schreiben und 1871 erschien mit «Ein Blatt auf Vronys Grab» ihre erste Erzählung. Damals war sie 44 Jahre alt. Bis zu ihrem Tod schrieb Spyri insgesamt 48 weitere Erzählungen. Ihr grösster Erfolg je-doch war und ist die Geschichte von Heidi, dem Naturkind aus den Schweizer Bergen, die sie 1880 – damals noch unter verschlüsselter Autorenangabe – verfasste und erstmals in Deutschland veröffentlichte. Spyri selbst verbrachte viele Sommer in der Umgebung der heutigen Ferienregion Heidiland. Während Aufenthalten, unter anderem bei einer befreundeten Familie in Jenins sowie in Bad Ragaz, fand Spyri die Inspiration für ihre Romanfigur Heidi, die genau wie Spyri selbst durch die Hektik der Grossstadt krank wird. Innert weniger Wochen schrieb Spyri die Erzählung, welche oft auch an ihr eigenes Leben erinnert, nieder. Ein Jahr später folgt die Fortsetzung «Heidi kann brauchen, was sie gelernt hat», diesmal unter ihrem Namen. Drei Jahre nach Erscheinen des ersten Bestsellers verliert die tragische Schriftstellerin ihren 29-jährigen Sohn Bernhard, der an Tuberkulose erkrankte. Kurz darauf verstarb auch ihr Mann. Bis zu ihrem Tod lebte die Witwe mit einem guten Lebensunterhalt, aber wohl einsam in Zürich.
Spyri – mehr als Heidi
Spyri verdankt «Heidi» ihren weltweiten Erfolg, der auch über hundert Jahre nach dem Tod der Autorin nicht nachlässt. Wie viel in der Geschichte wirklich autobiografisch ist und was in Johan-na Spyri vorging, ist heute schwer festzustellen, da die Schriftstellerin kurz vor ihrem Tod sämtliche Tagebücher und einen Grossteil ihrer Briefe verbrannt hat. Es lag ihr fern, ihre Person in den Mittelpunkt zu stellen. Jedoch ist noch heute ersichtlich, dass Spyri in ihren Texten oft Anteil am Schicksal junger Frauen, vor allem aber am Schicksal der Kinder, nahm. So führen die meisten ihrer Bücher auch den Untertitel «Eine Geschichte für Kinder und auch für solche, die Kinder lieb haben». Sie hat für sich selbst einen Anker gesucht, den sie mit «Heidi» damals und heute vielen Menschen gegeben hat. Vielleicht ist gerade das der Schlüssel zum Erfolg von Heidi und zugleich auch ein Schlüssel zur Persönlichkeit Johanna Spyris. Sie jedoch allein auf Kinderliteratur zu reduzieren, damit wäre ihr nicht Genüge getan. Spyri war eine Intellektuelle, eine Schriftstellerin, die, je grösser die Anerkennung für ihr Schaffen war, umso produktiver wurde.
Wer weiss, wie viele Zeilen sie schrieb und wieder verworfen hat, weil sie vielleicht zur falschen Zeit am falschen Ort lebte. Vielleicht war sie auch von einer Unsicherheit geprägt, ob ihre klugen und wahren Gedanken die kritische Masse erreicht hätten. Denn der Mut, Zeitkritisches zu drucken und zu verbreiten, fehlte wohl damals nicht nur in der Schweiz.
Helvetiens heimliche Heldin wird noch lange für Gesprächsstoff sorgen, wenn auch zumeist hinter den Kulissen.